7000 grüne Dürer-Hasen - Mit einer spektakulären Hommage erinnert Ottmar Hörl an Albrecht Dürers „großes Rasenstück“
Im August 2003 feierte die Dürer-Stadt Nürnberg das Jubiläum des „Großen Rasenstücks“ von Albrecht Dürer. Mit einer Großskulptur des international renommierten Künstlers Ottmar Hörl setzte man ein singuläres Kulturzeichen als neuen Impuls zur zeitgenössischen Auseinandersetzung mit dem „Kultur-Erbe“ Albrecht Dürer.
Von dem ehemaligen Documenta -Leiter Manfred Schneckenburger als „offensiver, zielgenauer Stratege einer neuen öffentlichen Kunst“ eingeordnet, der „Situationen verdichtet bis sie zu strahlen beginnen“, zählt Hörl zu den wichtigsten deutschen Konzeptkünstlern und Bildhauern, der unter seiner Maxime „Skulptur als Organisationsprinzip“ mit Projekten und Großskulpturen, basierend auf der Idee des Seriellen, zu neuen Denk- und Sehweisen wie zu Kommunikationsprozessen anregt. Die Auseinandersetzung mit Kunstgeschichte ist ein zentrales Thema in seinem künstlerischen Werk.
Ottmar Hörl verwandelte den Nürnberger Hauptmarkt in einen visuellen, künstlichen Rasen aus 7000 seriellen „Dürer-Hasen“ in vier verschiedenen Grüntönen: „Das ist das Comeback eines der weltberühmtesten Kunstwerke Dürers nach Nürnberg“.
Aus dem Motiv des zweidimensionalen Originalbilds, welches sich heute in der Albertina in Wien befindet, entstand ein vervielfältigtes Kunst-Objekt zum Anfassen für alle. Am Ende der vielbeachteten Präsentation in Nürnberg wurde die Skulptur aufgelöst und die sympathischen Stellvertreter konnten mit nach Hause genommen werden, denn die „Verrückung vom öffentlichen in den privaten Raum“ gehört für Hörl zur Konzeption. „Ich will mit meiner Arbeit einen Impuls setzen und den Menschen ihren Dürer mitgeben, mit dem sie sich individuell und undogmatisch auseinandersetzen können.“
In zahlreichen Projekten, wie Berlin-Bearlin (2000), das in der Presse als „ungewöhnlichste Kunst-Aktion nach Christo zitiert wurde, der „Speisung der 5000“ rund um den Bodensee (1999), dem „Froschkönig“ in Darmstadt (1999), „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ in Götzenhain (1999) „Welcome“ in München (1998) und „Fliegender Wechsel“ in Aschaffenburg (1994) hat Hörl gezeigt, wie man mit einer künstlerischen Strategie eindringliche Wirkung erzeugen, enorme Energien freisetzen und viele Menschen ansprechen und begeistern kann - wie die „Kunst ihren notwendigen Platz im öffentlichen Leben zurückgewinnen kann“ (Thomas Knubben).
Eva Schickler