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Das große Hasenstück, 2003
Installation mit 7000 Dürer-Hasen auf dem Hauptmarkt in Nürnberg


Mit einer spektakulären Kunstaktion von Ottmar Hörl feiert Nürnberg auch in diesem Sommer wieder ein Albrecht-Dürer-Jubiläum

Dass "Klassiker" in der Kunst nicht zwangsläufig eine ebenso elitäre wie verstaubte Angelegenheit für Experten sind, sondern auch Inspiration und Lebendigkeit im hier und heute bedeuten können - das hat schon der Nürnberger Hasengeburtstag im letzten Jahr bewiesen. Anlässlich des 500ten Jubiläum von Albrecht Dürers berühmten Gemälde "Ein junger Feldhase" hatte man in der Sebalder Altstadt ein Kunst und Volksfest gefeiert, das deutschlandweit für Furore in den Feuilletons gesorgt hatte. Natürlich hat Nürnbergs berühmtester Sohn auch in diesem Jahr vor 500 Jahren einen Genie-Streich abgeliefert. Und da man die Feste feiern muß, wie sie fallen, begeht Nürnberg im kommenden August das Jubiläum von Dürers "großem Rasenstück".
Mit dem Konzeptkünstler Ottmar Hörl hat das Nürnberger Kulturreferat dafür den richtigen Partner gefunden.

Hörl ist mit Großinstallationen unter Anderem in Berlin und München berühmt geworden und wird nun erstmals auch in der Stadt, an deren Akademie für Bildende Künste er seit 1997 als Professor lehrt, ein spektakuläres Projekt seiner "Kunst im öffentlichen Raum" realisieren. Mit rund 7.000 grünen Plastik-Repliken von Dürers Hasen wird Hörl den zentralen Platz der Nürnberger Altstadt in eine 2.500 Quadratmeter große Grünfläche verwandeln. Zwei Wochen lang wird der Nürnberger Hauptmarkt zu Ehren Dürers ein "großes Hasenstück" sein, ehe sich dieses in seine Einzelteile auflösen und sozusagen unters Volk mischen wird.

Die Vervielfältigung, die Idee des Seriellen und große Zahlen stehen im Zentrum von Hörls Projekten. Seine Kunst will Kommunikation ermöglichen und möglichst viele Menschen einbeziehen Die Auflösung des Hasenstücks in seine Einzelteile gehört daher zum Konzept Nach zwei Wochen kann sich, wer will, ein Stück Hasenstück gegen eine Schutzgebühr mit nach Hause nehmen. Die Hasen wechseln von dem öffentlichen in den privaten Bereich. "Ich will mit meiner Arbeit Kontakt aufnehmen, einen Impuls setzen und den Menschen ihren Dürer mitgeben, mit dem sie sich dann, individuell, undogmatisch, auseinandersetzen können."

Die Idee des Seriellen hat außerdem einen großen strategischen Vorteil: "Der original Hase hängt in der Albertina in Wien", sagt Hörl, "noch einmal soll den Nürnbergern ihr Hase nicht abhanden kommen. Wenn der eine oder andere meiner Hasen nach Tokio oder San Franciscogehen wird, macht das nichts. Es werden immer noch genügend Hasen in Nürnberg bleiben." Hervorragende Idee: Hase und Igel tauschen die Rollen. Wer immer in Zukunft den Nürnbergern ihr Lieblingstier nehmen will, wird sich die Hacken wundlaufen, und wo er auch nachschaut doch nur feststellen: der Hase ist immer schon da.

Hans-Jörg Sigwart.



7000 grüne Dürer-Hasen - Mit einer spektakulären Hommage erinnert Ottmar Hörl an Albrecht Dürers „großes Rasenstück“

Im August 2003 feierte die Dürer-Stadt Nürnberg das Jubiläum des „Großen Rasenstücks“ von Albrecht Dürer. Mit einer Großskulptur des international renommierten Künstlers Ottmar Hörl setzte man ein singuläres Kulturzeichen als neuen Impuls zur zeitgenössischen Auseinandersetzung mit dem „Kultur-Erbe“ Albrecht Dürer.

Von dem ehemaligen Documenta -Leiter Manfred Schneckenburger als „offensiver, zielgenauer Stratege einer neuen öffentlichen Kunst“ eingeordnet, der „Situationen verdichtet bis sie zu strahlen beginnen“, zählt Hörl zu den wichtigsten deutschen Konzeptkünstlern und Bildhauern, der unter seiner Maxime „Skulptur als Organisationsprinzip“ mit Projekten und Großskulpturen, basierend auf der Idee des Seriellen, zu neuen Denk- und Sehweisen wie zu Kommunikationsprozessen anregt. Die Auseinandersetzung mit Kunstgeschichte ist ein zentrales Thema in seinem künstlerischen Werk.

Ottmar Hörl verwandelte den Nürnberger Hauptmarkt in einen visuellen, künstlichen Rasen aus 7000 seriellen „Dürer-Hasen“ in vier verschiedenen Grüntönen: „Das ist das Comeback eines der weltberühmtesten Kunstwerke Dürers nach Nürnberg“.

Aus dem Motiv des zweidimensionalen Originalbilds, welches sich heute in der Albertina in Wien befindet, entstand ein vervielfältigtes Kunst-Objekt zum Anfassen für alle. Am Ende der vielbeachteten Präsentation in Nürnberg wurde die Skulptur aufgelöst und die sympathischen Stellvertreter konnten mit nach Hause genommen werden, denn die „Verrückung vom öffentlichen in den privaten Raum“ gehört für Hörl zur Konzeption. „Ich will mit meiner Arbeit einen Impuls setzen und den Menschen ihren Dürer mitgeben, mit dem sie sich individuell und undogmatisch auseinandersetzen können.“

In zahlreichen Projekten, wie Berlin-Bearlin (2000), das in der Presse als „ungewöhnlichste Kunst-Aktion nach Christo zitiert wurde, der „Speisung der 5000“ rund um den Bodensee (1999), dem „Froschkönig“ in Darmstadt (1999), „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ in Götzenhain (1999) „Welcome“ in München (1998) und „Fliegender Wechsel“ in Aschaffenburg (1994) hat Hörl gezeigt, wie man mit einer künstlerischen Strategie eindringliche Wirkung erzeugen, enorme Energien freisetzen und viele Menschen ansprechen und begeistern kann - wie die „Kunst ihren notwendigen Platz im öffentlichen Leben zurückgewinnen kann“ (Thomas Knubben).

Eva Schickler