Der Zwerg als Figur ist keine Bewertung einer Gesellschaft.
Er ist auch nicht deren Spiegelbild. Vielmehr füllt er ein Vakuum, Zeichen bzw.
Gesten aus gesellschaftlichen Zusammenhängen heraus zu praktizieren.
So ist auch mein persönliches Verhältnis zu dem "Poisoned"-Zwerg eine äußerst neutrale Position.
Das heißt, ich habe diesen Zwerg für die Öffentlichkeit gemacht. Ich verkünde keine Postulate,
keine Ideologien, kein Programm. Ich verkünde eine Idee, die ich in die Gesellschaft einspeise,
damit diese sich ihr eigenes Programm macht. Ob ein Mensch diesen Zwerg als ironische Position ansieht,
ob er ihn so ernst nimmt, dass er beleidigt ist, welche Art von Gefühlen die Menschen bei der
Betrachtung oder Kommunikation mit dieser Figur einnehmen, steht nicht mehr in meinem Zusammenhang.
Der Zwerg zeigt, dass die von ihm symbolisierte Art des Denkens immer noch Teil unserer Gesellschaft ist.
Wir sollten nicht die Augen verschließen, dass die faschistische, die diktatorische Konstante in einer
Gesellschaft, das "Führer-Prinzip", das Streben, Menschen zu manipulieren oder Menschen zu diktieren,
dass diese Idee latent gefährlich und in unserer Gesellschaft nach wie vor vorhanden ist. Das heißt,
dass alles was in der Geste des Zwerges enthalten ist, immer noch Teil unseres gesellschaftlichen
Modells ist. Und wir müssen sehr auf der Hut sein, dass dieses gesellschaftliche Modell nicht wie
ein Virus wieder in Gesellschaften eindringt. Gesellschaften, die sich über die Idee des Zeichens
einfangen oder überreden lassen bzw. vorschnell so tun als wären sie auch dabei – wenngleich sie gar
nicht dazu motiviert sind. So gab es im Dritten Reich sehr viele Menschen die, um ihre Ruhe zu haben,
diese Gesten angewendet haben, damit der andere nicht merkt, dass ihm eigentlich der Herr Hitler am Arsch vorbei geht.
Daraus entwickelte sich die Idee dieses Zwerges. Der erhobene Zeigefinger schafft keine Ebene um nachzudenken.
Der "Poisoned"-Zwerg führt vor, dass die Menschen eine gefährliche Masse darstellen können,
wenn Rituale und Gesten benutzt werden, die unter Umständen eher menschenverachtend als sozial förderlich sind.
Er verweist zudem auf das gesellschaftliche Phänomen der Marke, die sich über massenpsychotische
oder massenhysterische Positionen entwickeln: Das Heben des rechten Armes ist ein Markenzeichen geworden,
das in einem übertragenen Sinne ähnlich auftritt, wie andere Marken auch. - Wir sollten die Idee der Marke,
des vereinnahmenden Zeichens, in Frage stellen, auf deren Qualität und deren Werte hin überprüfen -
uns nicht manipulieren lassen.
Ottmar Hörl, 2008