Fliegender Wechsel
In Seligenstadt wurde eine Installation von 1000 blauen Gartenzwergen in
Gruppenformationen wie auch in aufgelösten Strukturen im gesamten städtischen
Raum verteilt. Die Aufstellung der blauen Zwerge wurde in mehreren Etappen in
gewisser Weise inszeniert. In einer freien Folge von Tagen erschienen sie
überraschend in unterschiedlichen Stadtgebieten (Innenstadt, Industriegebiet,
Mainufer, Bahnhofsgelände usw.). Anschließend wurden sie, außer den
gelegentlichen Stellungswechseln, sich selbst überlassen; sie blieben stehen,
bis sie jemand mitnahm. Dieser Effekt des Verschwindens der gesamten
Zwergenpopulation ist bewusst einkalkuliert und erwünscht, er ist ein Ziel des
gesamten Vorhabens. Es vollzieht sich dadurch ein Wechsel vom öffentlichen zum
privaten Raum. Das Projekt gehört der Öffentlichkeit, somit gibt es im
eigentlichen Sinn keinen Besitzerwechsel; durch Mitnahme des Objektes
individualisiert es nur einen anderen Ort. Es ist im Grunde genommen nur eine
Verrückung von einer Position in eine andere, im Sinne eines >Fliegenden
Wechsels<.
Ottmar Hörl (1994)