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Der gestiefelte Kater / Le Chat Botte
Projekt im öffentlichen Raum, 20. bis 29. Mai 2005, Place de Vosges in Epinal
 
DER GESTIEFELTE KATER / LE CHAT BOTTE
Ein Kunstprojekt von OTTMAR HÖRL auf dem Place des Vosges in Epinal vom 20. bis 29. Mai 2005

2005 Gestiefelte Kater werden mit dem 20. Mai den Place des Vosges in Epinal einnehmen. – "Ich habe die Jahreszahl als Orientierung genommen", informiert Ottmar Hörl, "wenngleich das Projekt einen eindeutig kulturhistorischen wie auch symbolisch-politischen Hintergrund hat!"

Der Bildhauer und Installations-Künstler Ottmar Hörl (* 1950) widmet Epinal ein mit der Stadt verbundenes Thema: "Ich verweise auf eine Tradition, welche mit der 1796 gegründeten "Imagerie Pellerin" ihren Ursprung hatte. Die dort hergestellten und in ganz Frankreich verbreiteten Bilderbogen waren ein Vorläufer der Comic-Kultur! - Und birgt die Idee des Comic nicht die Idee des Seriellen, des Multiple, welche ich in meiner Installation dreidimensional visualisiere?

Der gestiefelte Kater, dieses von Jean-Charles Pellerin 1897 festgehaltene und publizierte Märchen, begegnete mir sofort und wiederholt während meines ersten Besuches in Epinal. Für mich gehört er zu der Kultur und der Geschichte von Epinal, er gibt der Stadt heute noch eine Bedeutung bzw. – auf das Jahr 2005 bezogen – enthält eine Identifikation stiftende Komponente."

So soll auch die Installation der 2005 Gestiefelten Kater auf dem Place des Vosges verstanden werden: In der Traditon des Seriellen nimmt der Gestiefelet Kater eine Stellvertreterrolle ein: "Nicht nur, daß meine Installation auf die Bildergeschichten, und damit einer anderen Form des Geschichten-Erzählens verweist. Der Gestiefelte Kater ist im Grunde der klassische Vorläufer des Superman."

Mit dem Satz "Ihr braucht mir nur einen Sack zu geben und mir ein Paar Stiefel machen zu lassen" wird der einen Kater erbende jüngste Sohn eines Müllers nicht nur zum Marquis von Carabas, welcher am Ende des Märchens die Tochter des Königs heiratet. Sondern es gelingt dem Gestiefelten Kater mit Schlauheit und Wortgewandtheit, einen mächtigen "Menschenfresser" so zu überlisten, daß dieser sich in eine Maus verwandelt und vom Gestiefelten Kater gefressen werden kann. Womit der "arme Sohn" des Müllers zum Besitzer eines Schlosses und ausgedehnter Ländereien wird.

"Der Kater brauchte für seinen Weg keine übermenschlichen Kräfte, das ist, was ich an seiner Figur, an seiner gegenwärtigen Symbolik schätze. Das Nachvollziehbare, das Einfache, die Möglichkeit der Identifikation sind Punkte, welchen den Gestiefelten Kater sympathisch machen. Seine menschliche Dimension verweist auf eine für uns alle geltende Möglichkeit der Veränderung! - Im Gegensatz zu den Cyberfightern, welche im Fall von Superman von einem anderen Planeten auf die Erde kommen mußten und gleich als Kind schon über übermenschliche Kräfte verfügen.

Der Gestiefelte Kater birgt – modern interpretiert - sogar eine demokratische Komponente: Ein Menschenfresser wird zur Maus, der Mächtige zum Ohnmächtigen und umgekehrt ein armer Müllersohn zum Prinzen, ein Kater zu einem "großen Herrn". Es gibt dafür genügend viele Parallelen in der Politik..."


Meine Arbeiten haben immer eine mehr oder weniger politische Intention, das heißt, sie tendieren dazu, Aussagen über die Gesellschaft zu machen. In der Kunst geht es nicht darum, die Welt einzuteilen in Gut und Böse, sondern darum, dass Kunst als ein Teilaspekt der Gesellschaft von dem Willen geprägt ist, zu verunsichern und festgefahrene Konventionen zu überspringen oder zu erweitern. (Ottmar Hörl)

Im Jahr 2004 realisierte Ottmar Hörl in Charleville-Mézières die Installation "Arthur Rimbaud – 5 Jahre können eine Ewigkeit sein", mit 800 Rimbaud-Büsten auf dem Place Ducale. Während der Olympischen Spiele 2004 plazierte er 10.300 (der Anzahl der Sportler entsprechende) Eulen auf dem Gelände der Deutschen Schule in Athen. Im gleichen Jahr begleiteten 1.000 Wagner-Hunde (Neufundländer) die Parkbänke und Bushaltestellen der Stadt Bayreuth (in Zusammenhang mit dem Hörl-Projekt "Richard Wagner für das 21. Jahrhundert").

Eine weltweite Nachfrage wurde bereits 2003 durch die Installation von 7.000 Dürer-Hasen auf dem Nürnberger Hauptmarkt ausgelöst. Ottmar Hörl übertrug das berühmte, 1503 entstandene Aquarell von Dürer in ein dreidimensionales Multiple aus Kunststoff.

Im Jahr 2000 standen 10.000 Berliner Bären auf der Strecke Unter den Linden in Berlin. 1999 warteten auf der Darmstädter Mathildenhöhe 800 Frösche auf die Prinzessin und 1998 standen 4.000 Gartenzwerge – anlässlich der Internationalen Opernfestspiele – auf dem Max-Josef-Platz in München. – Womit auch wieder eine Brücke nach Frankreich geschlagen werden kann: Die französische Front de Libération des Nains de Jardin" (FLNJ / Befreiungsfront für Gartenzwerge) hatte nämlich auch in München zugeschlagen...

Das Hörl-Projekt "2005 – Chat-Botté – Epinal" wurde von LA LUNE EN PARACHUTE (19, rue d'Ambrail, F-88000 Epinal) initiiert und wird in deren Räumen mit einer unfangreichen Ausstellung begleitet.

Eröffnung: 20. Mai 2005 / um 18.00 h am Place de Vosges / um 19.00 h in den Räumen von LA LUNE EN PARACHUTE (19, rue d'Ambrail)

Koordination: Christoph Maisenbacher / Maisenbacher Artist Agent GmbH, Engelstrasse 12, 54292 Trier – Tel: +49-651-25.900 – Fax: +49-651-210.13 – Mob: +49-172-68.35.900 – e-Mail: maisenbacher-art@t-online.de